2021-10-12
Herbstgeräusche - Das Lauschen im Wald.


In Deutschland gibt es keine wilden Tiger. Auch keine Kolibris, Krokodile oder Nashörner.

Dafür haben wir vier wunderschöne Jahreszeiten. Jede davon ist wie eine geheime Parallel-

welt, die es nur zu erkunden gilt.


Buchen-Streckfußraupe (Calliteara pudibunda)


Motiviert und voller kindlicher Neugier schnappte ich mir meine Kamera und durchstreifte

den farbenfrohen Herbstwald. Ich war auf der Suche nach den kleinen Wundern, nach

neuen Fotomotiven. Die typischen Pilzfotos sollten es diesmal nicht werden, also lauschte

ich aufmerksam. Schaute mich suchend um. Überall raschelte, knackte und knisterte etwas.

Mal waren es Regentropfen auf nassem Laub, mal raschelten trockene Blätter. Hin und

wieder vernahm ich den Ruf eines Schwarzspechtes. Mittlerweile ein vertrautes Geräusch.




Auch das weniger exotische Ploppen und beinahe hölzerne Kullern der Kastanienfrucht

aus ihrer stacheligen Hülle nach dem Aufprall auf dem Waldboden war für mich kein

neues Geräusch. Es war mir sogar so vertraut, dass ich zeitgleich Kinderlachen

vernahm, welches nicht da war.




Dann unterbrach ein völlig neues Geräusch meine durch Nachdenklichkeit geprägte

Gemütsstimmung und ich musste augenblicklich selbst lachen. Irgendwie war es damals

schon lustig die reifen Kastanien zu sammeln und mit anderen Kindern damit zu spielen.




Das neue und unbekannte Geräusch stammte von einer überreifen Frucht.

Sie platschte direkt vor mir auf den Boden. Bei genauem Hinsehen war es

aber keine richtige Frucht. Es war ein mit kirschgroßen Kugeln bestücktes

Laubblatt. Eine davon war aufgeplatzt und es schien so, dass der Kern sich

bewegte. Ich wartete und tatsächlich wurden die Bewegungen darin lebendiger.


Frisch geschlüpfte Gallwespe (Cynipidae)


Ein Insekt, welches mich an eine weibliche Ameise mit Flügeln erinnerte, kroch

heraus und verharrte regungslos. Erst bei meiner Recherche zu Hause fand

ich heraus, dass es sich um eine Gallwespe handelte und die Wirtspflanze vom

Insekt zur Gallapfelbildung angeregt wird.


Eine Erdkröte (Bufo bufo) in ihrem natürlichen Habitat


Einige Meter weiter kreuzten junge Erdkröten meinen Heimweg und so entschloss

ich mich gegen Ende doch noch ein Pilzfoto mitzunehmen. Schließlich vermittelt

eben diese Bodenkulisse den umliegenden Lebensraum der Kröten und die herbst-

liche Jahreszeit am besten.