2020-05-22
Bridgekamera - Ein Fuchs muss man sein.


Starke Idee. Interessant. Sweet. Das Foto hat was. Kaufen? - Lieber nicht!

Oft sind dies die flüchtigen Gedanken, die in mir unterbewusst in sekunden-

schnelle aufkeimen, wenn ich mich in der deutschsprachigen

Fotografie-Blogosphäre bewege. Sie steigen auf um vergessen zu werden,

sind gehaltvoll wie eine Coke Zero und bewegen mich deshalb dazu, auf den

besuchten Blogs keinen Kommentar zu hinterlassen.


  

Doch diesmal reicht die vorhandene Kommentarfunktion auf Michaels Blog

nicht aus. Sein Beitrag zu einer betagten Bridgekamera aus dem Hause Nikon

hat mich beschäftigt. So entschloss ich mich nicht länger nur Zaungast zu sein,

sondern prüfte, ob die Nikon Coolpix P900 mit neuer Software betankt werden

kann.




Da die Änderungen in der Firmware-Version 1.5 gegenüber 1.4 für mich

persönlich irrelevant sind, nahm ich sie vor- und gestern ungeupdatet auf

zwei Naturspaziergänge mit.



So entstanden die hier gezeigten Bilder im frühlingshaften Auwald.




Manch einer wird sich vielleicht für die EXIF-Daten dieser Aufnahmen

interessieren. Da sie im seltensten Fall ein Foto reproduzierbar machen

und die Gegebenheiten des Aufnahmeorts verschweigen, gehe ich lieber

auf die eher hilfreichen Kameraeinstellungen ein.


Meine Begleitung; die geduldige Shar-Pei-Dame.


Zugänglich sind alle Kameraeinstellungen erst im PASM-Modus. Bewährt

hat sich bei mir der S-Modus. Die Verschlusspriorität (Shutter Priority)

erlaubt es mir insbesondere in der Tierfotografie schnelle Bewegungen

einzufrieren. Weiterhin kann noch ein Belichtungsausgleich vorgenommen

werden, denn nur so kann ich die hinterlegte Begrenzung von 100 bei

der ISO-Empfindlichkeit in lichtarmen Situationen teilweise ausgleichen.


Turmfalke (Falco tinnunculus) im Rüttelflug.


Den Blendenprioritätsmodus (Aperture Priority) verwende ich hingegen

seltener. Meistens für die Streetfotografie und dann nur bei 24, 28, 35,

50, 85, 105 oder 135mm. Diese Zoomstufen sind auch die, die für den

Kamerastart vorbelegt werden können und deren Startblende ich nach-

folgend tabellerarisch aufliste:

Brennweite in mm: Startblende: Endblende:
24
28
35
50
85
105
135
2,8
2,8
3,2
3,5
4
4
4
8
8
8
8
8
8
8

Viele meiner Tieraufnahmen entstehen bei 200 oder 2000mm - für diese

beiden Brennweiten empfinde ich die folgenden Blenden am besten um

ein scharfes Ergebnis zu erzielen:

Brennweite in mm: priorisierte Blende:
200
2000
4,5
6,5



Die meisten Aufnahmen entstehen freihand. Nur bei besonderen

Vorhaben (Merkurtransit) führe ich Zubehör mit. Einen Polarisations-

filter oder eine Gegenlichtblende habe ich bei dieser Kamera

noch nie verwendet. Sie würden die Linsenreflexion, die ich ab

und an als Stilmittel verwende, unterdrücken.


  


Widmen wir uns wieder den Kameraeinstellungen - hier lässt

sich noch mehr herauskitzeln. Grundsätzlich muss man sich

auf diese Kamera einlassen, die Besonderheiten und Makel

einer Bridgekamera im Hinterkopf behalten und zunächst kennen-

lernen.

Ein Kuckucksmännchen (Cuculus canorus) auf seiner hohen Warte beim Reviergesang.


Dafür empfehle ich den U-Modus. Dort können verschiedene Benutzer-

einstellungen (User Settings) ausprobiert und miteinander kombiniert

werden. Bewährte Optionen lassen sich danach auf die anderen Modi

übertragen.



Als Ausgang empfehle ich hier folgende Einstellungen zu verwenden:


Einstellung für: gewählte Option: Hinweis:
Bildqualität
Bildgröße
Picture Control
Weißabgleich
Serienaufnahme
ISO-Empfindlichkeit
Messfeldvorwahl
Autofokus
Rauschreduzierung
Active D-Lighting
Zoomstufen
Zoomposition
FINE
4608*3456
SD
Automatisch (normal)
H
Begrenzte ISO-Autom. 100-400
Manuell (Punkt)
AF-F Permanenter AF
Schwach
Normal
ON
50
Bildausschnitt bei Aufnahme festlegen



Wechsel über Funktionstaste
ISO 100-400 für Outdoor, ISO 100-800 für Indoor
Positionierung per Kreisjoystick
Änderung bspw. auf MF per Kreisjoystick


24, (50), 135, 200, 600, 1600, 2000
Bei Kameraeinschaltung


Der Grund warum ich zum Herausfinden der passenden Einstellungen

gerade im U-Modus einlade ist; die Blende und die Belichtungszeit

übernimmt weiterhin die Kamera. Sobald die Kamera einem vertraut

ist, können die zuvor getroffenen Optionen komplett oder abgewandelt

im PASM-Modus zu besseren Ergebnissen führen.


  

Ein Fuchs muss man sein - ausprobieren, kennenlernen, kombinieren.

Nur so kitzelt man auch aus alten Kameras schöne Aufnahmen heraus

und merkt vielleicht, das ein Upgrade garnicht notwendig ist und die

Unkenrufe lediglich vom Couchpotato stammen.


Das gilt für jedes Kamerasystem. Unabhängig vom Hersteller. Jedenfalls

bleibt die P900 fester Bestandteil meines Foto-Equipments und wird

durch keine P950 oder P1000 ausgetauscht.