2019-06-23
Bienenfresser - Ein Gewinner des Klimawandels.


Bereits letzten Sommer wollte ich Bienenfresser fotografieren. In diesem Jahr

hat es geklappt. Eine aus Afrika zugeflogene Kolonie brütet aktuell in unmittel-

barer Nähe. Für diese Gelegenheit habe ich meine Fotoausrüstung, bestehend

aus der Nikon P900 und der Nikon D5100 mit dem 150-600er Tamron-Objektiv,

entstaubt und mich zielgerichtet auf den Weg begeben.



Wenige Meter vor einer Sandgrube, ihrem bevorzugten Brutplatz, vernahm ich

ein gedämpftes und wohltönendes Quip-Quip. Sekunden später flog bereits

der erste Rackenartige, zu deren Ordnung auch der Eisvogel gehört, über

meinen Kopf. Sie sind kleiner als ich annahm. Dafür bunt. Blau, Bräunlichrot,

Gelb und Grün. Das sind die vielen leuchtenden Farben des Bienenfressers.



Bienenfresser (Merops apiaster)


Nachdem ich mich in einer Beobachtungshütte der NABU positionierte, konnte

ich durch den Kamerasucher, zumindest visuell, noch näher ran. Ich erkannte

an dem etwa turmfalkengroßen Vogel, natürlich mit geringerer Flügellänge,

weitere Details. Beispielsweise, dass die mittleren Schwanzfedern spitz zulaufen.



Dabei wurde mir schlagartig bewusst, dass und warum der Bienenfresser nur

zu den Zugvögeln zählen kann. Im Winter findet er in Deutschland einfach

keine Nahrung, denn er ernährt sich ausschließlich von Insekten. Im Flug fängt

er vor allem Schmetterlinge, Libellen, Hummeln und auch Bienen.



Sein Schnabel ist auf Insektennahrung ausgerichtet.


Bei Letzteren schlagen sie auf einem Ast den gefährlichen Stachel heraus,

werfen den Kopf in den Nacken und das Insekt hoch in die Luft. Sie machen

einen auf cool, fangen und schlucken die Stachellosen wie kleine Kinder oder

lässige Amerikaner es mit Erdnüssen tun.



Doch die Nahrungsaufnahme ist eine ernste Sache. Etwa 200 Insekten

benötigt ein Bienenfresser pro Tag. Nur so kann die Körpertemperatur

aufrechterhalten und genügend Energie zum Fliegen bereitgestellt werden.



Die Flugjäger streiten hin und wieder um einen Ansitzplatz.


So versuchen die Männchen den Weibchen während der Balz mit mehreren

Brautgeschenken zu imponieren. Schließlich muss das Weibchen entscheiden,

ob der gesteigerte Nahrungsbedarf für den zukünftigen Nachwuchs mit eben

diesem einen Partner gedeckt werden kann. Etwa 700 Insekten je Küken bis

zum Ausflug der Jungvögel nach 20-25 Tagen sind zusätzlich heranzuschaffen.



Beim Paarungsakt sind beide Vögel schutzlos; sie sind abgelenkt und würden

einen sich nähernden Feind nicht bemerken. Wahrscheinlich ist die Kopulation

deshalb so kurz und selten fotografiert worden.



Beim Paarungsakt sind beide Vögel schutzlos.


Besser geschützt sind hingegen die Brutröhren. Stare, die sich gerne in

benachbarte sowie unbesetzte Röhren einquartieren, vertreiben zuverlässig

potentielle Feinde. Dazu zählen beispielsweise Elstern. Füchse kommen

hingegen, bedingt durch die Bauart, erst gar nicht ran. Hierbei wird fürs

Gelege aus 4-7 weißen Eiern in steile Löss- und Sandwände eine bis zu zwei

Meter lange, horizontale und am Ende zur Brutkammer erweiterte Brutröhre

gebaut. Partnerlose Koloniemitglieder helfen oft bei der Nahrungsbeschaffung

und so können am Ende oft mehr als zwei Jungvögel eines Geleges ausfliegen.



Auch wenn die Insektenanzahl in Deutschland schwindet, profitieren Bienen-

fresser von gestiegenen Temperaturen und breiten sich zunehmend aus. In

Deutschland verzeichnet man stetig höhere Brutpaarzahlen. Sie sind eindeutig

Gewinner des Klimawandels.


  


Übrigens: Vor Ort stellte mir ein Fotograf die Frage, ob es mit der Bridge-

kamera (Nikon P900) überhaupt klappt. Die Frage kann sicherlich jeder

bejahend beantworten, wenn ich hier erwähne, dass bis aufs Eröffnungsfoto

alle weiteren Fotos von mir mittels P900 aufgenommen wurden.