2017-10-29
Kranich - Zugvogelbeobachtung im Frühherbst.


Anders als die Deutsche Bahn AG lassen sich Kraniche vom stürmischen Wetter nicht beeindrucken. Genauso wenig ich. Schließlich gibt es regenfeste Kleidung und Gummistiefel. Die benötigte ich allerdings nicht, denn das Wetter spielte vor Ort im Storchendorf Linum glücklicherweise mit - die Kamera blieb trocken.




Auch zwischenmenschlich stimmte es. So ergab sich mir die Gelegenheit, mit einem pensionierten Psychologen, ein interessantes Gespräch zu führen. Um den stattlichen und eleganten Zugvogel zu beobachten, reiste er extra aus seinem Heimatland Holland an. Für die Vogelbeobachtung bereiste er bereits die halbe Welt. Kulturelle Eindrücke sammelt er hierbei allerdings selten. Leider. Zu gerne hätte ich mehr über Asien gehört.



Ich schweife ab – zurück zu Deutschland. Brandenburg. Linum. Denn im Frühherbst ist dieser Ort einer der bevorzugten Rastplätze der Kraniche auf ihrer Reise in den Süden. Hier findet das im Schnitt 1,18 Meter (♂ 1,22, ♀ 1,13) große Tier ein natürliches Habitat. Als Allesfresser auch ausreichend Nahrung. Aufgesammelt wird sie beim Umherschreiten vom Boden oder aus dem flachen Wasser. Damit zählen Kraniche wie auch Reiher und Störche zu den sogenannten Schreitvögeln. Sie schlafen stehend im knietiefen Wasser, das hier als Schutz gegen Feinde, wie beispielsweise dem Fuchs, dient. Im Herbst ernähren sich die imposanten Vögel auch gerne von den Ernteresten der Felder und der Saat. Der Schaden für die Bauern hält sich hierbei allerdings seit den 1990er Jahren durch Ablenkfütterungen der Naturschutzorganisationen in Grenzen oder kann im besten Fall gänzlich vermieden werden.



Verbreitet ist der Kranich in Skandinavien, Norddeutschland, Polen, europäischem Russland sowie Asien bis Ostsibirien. Aus der Nähe werden die Menschen den Kranich in freier Natur trotzdem kaum zu sehen bekommen. Die Tiere sind sehr scheu und fliegen schon bei einer Annährung auf etwa 300 Metern auf. Ohne Tarnung gelangen mir aus diesen Gründen auch keine direkten Nahaufnahmen und als ich kurz davor war, scheuchte ein weiterer Fotograf die Vögel mit seinem Geländewagen auf.



Vielleicht probiere ich es während der Balz im Frühling erneut. Dann mit Tarnung, Geduld und mehr mitgebrachter Zeit. Obwohl die majestätischen Vögel monogam leben, kann man in dieser Jahreszeit (Frühling) einen der wundervollsten und spektakulärsten Balztänze des Vogelreichs beobachten. Mit aufgestellten Flügeln und vollem Federkleid umtanzen und beschreien sich Männchen und Weibchen. Jedes Jahr aufs Neue. Ein Leben lang.



Dies ist wohl einer der Gründe, weshalb über den Kranich bereits in der Mythologie als Glücksbringer berichtet wird. Auf altägyptischen Grabplatten ist er genauso zu finden, wie im russischen Märchen, in Indien verehrt man ihn als Gott, in China als göttlichen Himmelsboten und als Symbol für Weisheit und ein langes Leben. Und in Japan? Die falten natürlich Papierkraniche als Glücksbringer. Seinen Namen als Vogel des Glücks soll der Kranich allerdings in Schweden bekommen haben, wo sein Erscheinen im Frühjahr das Ende der dunklen, kalten Zeit einläutet.



Um ihre Ziele zu erreichen, nutzen Kraniche die Thermik und können, bei Rückenwind, mit nur wenigen Flügelschlägen eine Geschwindigkeit von über 80 Stundenkilometern erreichen. So überbrücken sie an nur einem Tag durchaus mehrere hundert Kilometer. Geflogen wird dabei im Verband und in der charakteristischen V-Formation. Mit einer Flügelspannweite von etwa 2,20 Metern und dem lauten Trompetenruf fallen sie eindeutig auf. Dem Blick entziehen sie sich erst ab Flughöhen von bis zu 2000 Metern. Die erreichte Flughöhe hängt allerdings von Wind- und Sichtverhältnissen ab. Über den Pyrenäen kommen die grau gefiederten Vögel mit schwarzem Oberkopf samt roter Mütze und seitlich weißen Streifen auch auf 3000 Meter Flughöhe. In Indien überwinternde Graukraniche überfliegen sogar 4600 Meter hohe Bergketten.



Trotzdem. Einer schafft es immer weiter, schneller, höher. Gehalten wird der bislang ermittelte Höhenrekord vom Sperbergeier (Gyps rueppellii), der in Afrika beheimatet und kein Zugvogel ist. 11300 Meter. Eine Höhe in der auch Passagierflugzeuge ihre Langstreckenflüge absolvieren. Nicht ungefährlich und das höhenunabhängig.



In jedem Fall war es eindrucksvoll die unzähligen Kraniche in Brandenburg zu beobachten, zumal er mit dem Gänsegeier und dem Seeadler (Flügelspannweite: 2,50 Meter) einer der größten Vögel in Deutschland ist. Das allein gibt bereits ein imposantes Himmelsbild ab.



Tipp: Wenn ihr die Kraniche ebenfalls beobachten und fotografieren möchtet, euch aber unsicher seid ob an den Rastplätzen die Kraniche einfliegen, dann informiert euch einfach telefonisch oder online beim Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU).