2016-09-26
WALLCOME - Eine Kleinstadt stellt sich dem Metropolen-Sog.


Wer sich heute durch die Straßen einer Stadt bewegt, sieht sich, da er sich noch nicht mit

einem visuellen MP3-Player in Form eines Smartphones quasi die Augen verstopfen kann,

mit Graffiti konfrontiert.



Die Stadt, in der er sich bewegt, muss nicht einmal eine Großstadt sein. Zweifelsohne reicht

das Vorhandensein einer Straße und einer Fläche. Das kann ein Autobahnbrückenpfeiler oder

ein Stromkasten sein und wenn die Fläche fehlt, spannt der Künstler zwischen zwei festen

Punkten eine Cellophanfolie auf. Der dadurch erschlossene Raum trägt des Sprayers Graffito.

Er rückt so näher an den Betrachter, indem er es dort anbringt, wo herkömmliches Graffiti

nicht angebracht werden kann.



Urban Art verschiedener und bekannter Künstler finden sich erfreulicherweise auch in

Deutschland sehr häufig - so auch in Schmalkalden... .




Nicht jeder Wolf ist Böse. (Wir sind oft nur zu faul oder zu feige, um das zu
erkennen.)
- ONCE UPON A TIME by HERAKUT




Zu meinen Lieblingskünstlern zählt unteranderem Claudia Walde sowie Jasmin Siddiqui /

HERA + Falk Lehmann / AKUT. HERAKUT scheint auch den kanadisch-US-amerikanischen

Filmschauspieler Jim Carrey zu begeistern. So veranlasste er durch das Street Art-Duo das

Bemalen einer ganzen Wand im Garten seiner Villa in Los Angeles.



Falk Lehmann war es auch, der zusammen mit Andreas von Chrzanowski / CASE für das

Projekt WALLCOME in Schmalkalden, einem kleinen beschaulichen Städtchen in Thüringen,

als Initiator in Erscheinung trat.




THE ELEPHANT by CASE



Lehmann: Kurz beschrieben ist es so: In Schmalkalden sind wir, AKUT und CASE geboren

und aufgewachsen. Hier haben wir begonnen Bilder zu malen. Dieses Malen hat uns aus der

Stadt rund um die Welt geführt und nun kommen wir zurück und bringen Künstler/Freunde/

Kollegen mit, die wir im Verlauf unserer Entwicklung kennengelernt und mit denen wir

zusammengearbeitet haben, um der Stadt ein Geschenk zu machen. Das Geschenk soll eine

Kunstaktion sein, die den Nimbus eines internationalen Kulturaustauschs ausstrahlt und bei

der die Stadt Schmalkalden, als unsere Geburtsstadt, als Veranstaltungsort integriert wird.





DISTANT NATIVES by CASE



Für eine (ostdeutsche) Kleinstadt bringt die Beteiligung international anerkannter Künstler

eine überregionale Strahlkraft mit sich, setzt gleichzeitig identitätsstiftende Kräfte frei und

lehrt die Einheimischen ihre Stadt mit neuen Augen zu sehen. Denn es ist bekannt, dass

ländliche Gegenden und Kleinstädte von Braindrain und hoher Arbeitslosigkeit betroffen

sind, gut ausgebildete Menschen die Gegend verlassen, weil sie sich nicht mehr mit ihr

identifizieren und weil Großstädte einen Metropolen-Sog ausstrahlen, der Leben und Arbeiten

dort attraktiver erscheinen lässt.



Bei meinem Wochenendbesuch in Schmalkalden war ich erfreut, dass es dort augenscheinlich

bergauf geht. Es war offensichtlich, denn das Straßennetz ist ordentlich saniert worden und

die Anzahl der aufgegebenen Läden sowie leerstehenden Gebäuden hielt sich in Grenzen.

Natürlich waren und sind hier weitere entgegenwirkende Kräfte am Werk, aber einen Teil hat

sicherlich auch das Projekt WALLCOME dazu beigetragen.



Das Projekt selbst, eine öffentliche Galerie für jedermann, ist über die ganze Stadt verteilt.

Die großflächigen Gemälde (Murals) sind auf historischen Gebäuden ebenso wie an den

Fassaden typischer Neubaublocks zu finden. Um den Interessierten unter euch die Suche vor

Ort zu erleichtern, biete ich in nachfolgender Karte eine Standortadressierung an:



MURAL: KÜNSTLER/ARTIST: STRAßE:
THE ELEPHANT CASE Siechenrasen 13
ROBOTBOY WITH BALL PIXELPANCHO Auergasse 11
THE ROUNDHOUSE OF M-CITY M-CITY Haindorfgasse 10
THE BAT ROA Stumpfelsgasse 15
SCHMALKALDEN CITY FINEST TASSO Weidebrunner Gasse 6
CROSSING DOWN THE EASTSIDE ANDREW HEM Hofstadt 18
THE FLOCK OF BIRDS KNOW HOPE Näherstiller Strasse 3
ONCE UPON A TIME HERAKUT Helenenweg 2
DREAMS NEVER DECEIVE ECB Allendestrasse 16
DISTANT NATIVES CASE Martin-Luther-Ring 23
Persönlich finde ich Urban Art attraktiv, befürworte aber nicht die illigale Szene. Auf den

Flächen, wo Graffiti illegal ist, sehe ich das klar als Vandalismus. Vielmehr faszinieren mich

die Werke der kreativen Köpfe, für die nicht nur der Putz an einer Wand herhalten soll,

sondern auch Bytes auf meinem Server.