2017-07-09
Nikon Coolpix P900 - Der Brennweitenwahnsinn.


Im aussterbenden Segment der Kompaktkameras bewahren sich Superzoom-

Kameras weiterhin ihre Nische, denn die Kundschaft verlockt die Vorstellung

eine hosentaschentaugliche Kamera mit einem Brennweitenbereich vom

Weitwinkel bis in den extremen Telebereich im Reisegepäck mitzunehmen.


Dieses Ideal einer Kamera bedient auch der Hersteller Nikon und bietet in

der Königsklasse - der Coolpix-P-Serie - momentan drei Modelle an, die

auch für komplexere Aufgabenstellungen bestens geeignet sind. Die P900

ist dabei das Modell mit dem größten Brennweitenbereich. Mit dem 83-fach-

Zoom hält Nikon sogar den Weltrekord. Konkret und umgerechnet in das

Kleinbildäquivalent bietet die Kamera einen Brennweitenbereich von 24 -

2000mm. Hier handelt es sich um absoluten Brennweitenwahnsinn, natürlich

im positiven Sinne. Ermöglicht wird die große Brennweite vor allem durch

den kleinen 1/2,3-Zoll-Sensor – die echte Brennweite beträgt bei einem

Umrechnungsfaktor von etwa 5,6 deshalb 4,3 - 357mm.


Die anfängliche Befürchtung, dass sich der sehr kleine Sensor negativ auf

die Bildqualität auswirken würde, teilte anfangs auch ich. Nach zwei

monatigem Praxiseinsatz (Kaufdatum 10.05.) kann ich jedoch sagen, dass

die Bildqualität überraschend gut ist.



Turmfalke (Falco tinnunculus) - aufgenommen mit der Nikon COOLPIX P900



Turmfalke (Falco tinnunculus) - aufgenommen mit der Nikon D5100


Die beiden oberhalb aufgeführten Beispielfotos zeigen natürlich, dass eine

DSLR-Ausrüstung einer Superzoom-Bridgekamera überlegen ist. Gleichzeitig

wird ebenfalls deutlich, dass die Behauptung, dass digitale Spiegelreflex-

kameras in der Vogelfotografie unerlässlich seien, nicht aufgeht. Händler,

die selbst noch nie einen Vogel fotografiert haben, teilen diese Behauptung.

Das verunsichert gerade Einsteiger, die in die Vogelfotografie einsteigen

möchten und führt zu unüberlegten, teuren Käufen.



Rotmilan (Milvus milvus)


Auch in Fotobüchern, Fotokalendern und Fachzeitschriften tauchen fast

immer die gleichen wohlbekannten Markennamen der Platzhirsche aus

der Spiegelreflexkamera-Branche unter den traumhaften Vogelaufnahmen

auf - zu Unrecht.



Sonnenuntergang in einer Kleinstadt irgendwo im Osten


Es geht auch anders. Nämlich mit anwenderfreundlicher, preislich erschwing-

licher, neuster revolutionärer Technik für die Nikon gerade mal 526€ verlangt.

Der veraltete Markteinführungspreis von damals 620€ lag ebenfalls nicht hoch

und führte zu einem regelrechten Ansturm und Abverkauf der Kamera.


Als Gegenleistung für die mit Zahlen bedruckten Scheine bietet Nikon 16

Megapixel, was für die kleine Sensorgröße ein akzeptabler Wert ist, da höhere

Werte die Bildqualität verschlechtern würden. Der ISO-Empfindlichkeitsbereich

erstreckt sich von ISO 100 - 1600. OK. Nicht ganz. In den Belichtungs-

programmen P, S, A oder im manuellen Modus kann die Empfindlichkeit bis

ISO 6400 eingestellt werden und im Effektmodus High-ISO-Monochrom

lässt sich der Wert sogar auf ISO 12800 trimmen.


Doch meine Empfehlung ist es, mit höheren Werten als ISO 400 nicht zu

fotografieren, da die Bildqualität leidet.



Waldohreule (Asio otus)


Weiterhin verfügt die Kamera über einen leistungsfähigen Bildstabilisator.

So lassen sich Fotos auch mit der längsten Brennweite aus der freien Hand

aufnehmen – eine einigermaßen ruhige Hand vorausgesetzt. Freihändig

gelingt dies sogar bei unserem Erdtrabanten und mit der Digitalzoom-

Funktion kann für Detailaufnahmen die Brennweite sogar um ein Vierfaches

erhöht werden; was die nachfolgende Fotoreihe demonstrieren soll:




Speziell für den Mond, aber nicht nur, bietet die P900 ein, für den Anfänger

hilfreiches, Motivprogramm an. Auf die einzelnen Motivprogramme gehe ich

jedoch in einem weiteren Blogbeitrag gesondert ein. Eher möchte ich mit

dem ersten COOLPIX-Beitrag konzentrierter bei der Ausstattung bleiben und

schreibe jetzt deshalb Näheres über das Objektiv. Mit einer Blende von f 2.8

fällt dieses im Weitwinkelbereich recht lichtstark aus. In der maximalen Tele-

stellung sinkt zwar der Wert auf f 6.5 – aber auch dies ist, unter Berück-

sichtigung der Brennweite, noch ein relativ ordentlicher Wert.

Vollmond in der Nacht zum 09.07.


Um nicht nur in der Distanz aufzutrumpfen, spendiert Nikon der COOLPIX

eine Makrofunktion. Ist sie aktiviert, kann man bis zu einem Zentimeter an

das Motiv herangehen. In der P900 ist sogar ein GPS-Empfänger integriert

– er erlaubt logischerweise die Aufzeichnung von GPS-Daten. Fotos können

kabellos über die Wi-Fi-Funktionalität auf ein mobiles Gerät übertragen

werden. Ebenfalls unterstützt wird NFC* (Nahfeldkommunikation) und lässt

in einem geringen Abstand die Verbindung zum mobilen Gerät zu.



Ameisensackkäfer oder Ameisen-Blattkäfer (Clytra laeviuscula)


Um sich bei Selfies nicht zu verrenken und die Kamera in Bodennähe oder

über Kopf und entsprechend auch im Makromodus einzusetzen, ist der

Monitor klapp- und schwenkbar. Hierbei fiel mir allerdings auf, dass der

Bildschirm relativ empfindlich reagiert und Schwenks mit kurzen Aussetzern

quittiert. Ansonsten ist er 3 Zoll groß und löst das Bild mit 921.000 Pixeln

fein auf. Dieselbe Auflösung bietet der klein geratene elektronische Sucher,

welchen ich unter anderem bei Gegenlicht verwende. Der integrierte Blitz

hat im Weitwinkelmodus eine Reichweite von ca. 11,5 und im Telebereich

von 7,5 Metern. So jedenfalls auf dem Papier, denn auch hier nahm ich

eine negative Erfahrung mit und konnte spätabends einen Fuchs samt

Kulisse nicht ordentlich ausleuchten.


Die Vorahnung hielt mich damals aber nicht davon ab, den integrierten

Blitz auszuprobieren, denn Kamerafähigkeiten unterziehe ich gerne dem

Praxiseinsatz und teste nicht unter Laborbedingungen. Da der Blitzschuh

fehlt und die restlichen Anschlüsse nicht geeignet erscheinen, sehe ich

aktuell keine Möglichkeit ein besseres externes Blitzgerät einzusetzen.

Hilfreich erscheint mir hier nur die Blitzleistungskorrektur im Aufnahme-

Menü.



Turmfalkennachwuchs - gesund und munter


Natürlich gibt es auch einen Filmmodus. Dabei zeichnet die Nikon COOLPIX

P900
bei 30 Bildern pro Sekunde in Full-HD-Auflösung (1.920 * 1.080 Pixel)

auf. Meiner Meinung nach ausreichend.



Shar-Pei-Dame - Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich...


Ebenfalls ausreichend erscheint mir mein Eingehen auf die Ausstattungs-

merkmale, weshalb ich erst beim nächsten Mal auf die manuelle Fokussierung,

die Video-Optionen und wie bereits erwähnt, die Motivprogramme, eingehen

werde. Ein abschließendes Fazit beinhaltet somit erst der letzte Beitrag über

Nikons COOLPIX P900.



* Near Field Communication z. Dt. Nahfeldkommunikation


Update 2017-07-10:

Erst heute und somit einen Tag nach meinem Beitrag sank der Kamerapreis

auf rund 505€ und gestaltet die Sache für Sparfüchse noch interessanter.